Freitag, 9. Mai 2008

¡Que les vaya bien!

Die Bus- und Taxifahrer riefen just an jenem Tag, wo wir weiterreisen wollten einen nationalen Streik, mit dem Ziel, dass die Regierung die Benzinpreise senkt, aus. Da der erste Tag trotz Verhandlungen am runden Tisch keine Ergebnisse brachte, dauerte der Streik an. Kein öffentlicher Bus, kein Taxi fuhr. Dafür hatten die Pferdekutschen und Velotaxis Hochkonjunktur! Wir buchten unsere Weiterfahrt in einem privaten, örtlichen Busunternehmen, das die Leute in den üblichen alten, amerikanischen Schulbussen nach San Salvador und weiter bis nach Guatemala City transportiert.
Der Bus hätte auf dem Weg von León nach Chinandega mehrere Strassensperren passieren müssen. Ein Ding der Unmöglichkeit! Der gut gefüllte Chickenbus nahm kurzerhand, die "Umleitung" über die Felder. Innerhalb Minuten war alles in Staub gehüllt und wir mit einer dicken Schicht überzogen. Dazu mischte sich der Schweiss und die am Morgen aufgetragene Sonnencreme. Das ganze entwickelte sich zu einer braunen, klebrigen Masse... wäääki. Mit Hilfe von Kindern und Bauern, die mit ihren Fahrrädern oder Pferden im Niemandsland unterwegs waren, fand der Bus schlussendlich wieder zurück auf die Strasse. Bis nach Chinandega passierten wir unter lauten Buhrufen der Streikenden noch ein paar weitere Sperren. Nachher wurde es ruhiger und der Bus konnte endlich zufahren. Um halb 4 passierten wir die Grenze zu Honduras, mehr als 2h später als geplant. Honduras liessen wir links liegen. Die Durchfahrt dauerte etwas mehr als 2h. 2mal wurden wir von der Polizei kontrolliert. Der Bus wurde angehalten, das Gepäck abgeladen, mehr schlecht als recht kontrolliert. Die Passagiere reihten sich automatisch in 2 Reihen ein, die Frauen links, die Männer rechts. Ein kurzer Blick auf jeden Pass und weiter gings. Es war bereits Mitten in der Nacht als wir in San Salvador irgendwo auf der Interamericana abgeladen wurden. Der Fahrer verhalf uns dann doch freundlicherweise noch zu einem Taxi. Eigentlich wollten wir doch nicht mehr in der Nacht reisen!
San Salvador ist eine riesige Metropole, alles in allem mit rund 2 Millionen Einwohner. Im Stadtzentrum reihen sich auf dem Trottoir unglaublich viele Stände aneinander.
Die Arbeitslosenrate ist hoch und die Menschen versuchen sich über Wasser zu halten, in dem sie irgendetwas verkaufen. Die Waren werden lauthals angeboten, aus Lautsprechern tönt Musik. Es ist ein unglaublich lebendiges, aber auch farbiges Durcheinander. Dazwischen findet man ganz schöne, alte Kolonialhäuser, die die Narben der Zeit tragen.
Obwohl El Salvador einiges zu bieten hat, fahren wir am nächsten Tag weiter nach Guatemala. Diesmal gönnen wir uns einen klimatisierten Bus und die Reise ist gemütlich und ruhig. Wir ziehen am gleichen Tag weiter nach Antigua unweit von Guatemala City. Die Stadt war einst die Hauptstadt der spanischen Kolonien in Zentralamerika, heute ist sie eine der touristischen Hauptattraktion des Landes und verfügt somit über zahlreiche Hotels, Restaurants und Geschäfte. Die Leute sind freundlich und hilfsbereit, wollen wissen woher wir kommen und wohin wir gehen, wünschen uns zum Abschluss buen viaje. Wir sind wieder amigos von allen. Wir geniessen es.