Montag, 5. Mai 2008

Ein schlafendes Ungetuem

Bei einem unserer Streifzüge durch León stiessen wir auf das Büro der Quetzaltrekkers. Die Organisation bietet verschiedene Touren auf die umliegenden Vulkane an. Der volle Erlös kommt einem Hilfsprojekt für Strassenkinder zu gute. Ihr Slogan dem zu Folge, hike volcanoes, help streetkids! Also reisen und helfen! Nichts wie los! und da wir sowieso auf Grund der Hitze in den Hängematten nahe am Verfaulen waren, meldeten wir uns fuer einen 2 Tages Hike auf den in der Nähe liegenden und 2000 letzmals ausgebrochenen Vulkan Telica.
Bereits nach wenigen Metern führt der Weg an blubbernden Schlammlöcher und Dampffontaenen vorbei. Ein erster kleiner Vorgeschmack. Wir wandern über trockene, abgeerntete Bohnenfelder, wirbeln Staub auf und sind in Kuerze so schmutzig, wie Schweine die sich darin gewälzt haben. Später führt der Weg hinauf in bewaldete Hänge. Wir rasten im Schatten grosser Bäume. Auf einer Anhöhe haben wir einen ersten Blick auf den rauchenden Hauptkrater. Wir steigen in den erloschenen Nebenkrater und stellen unsere Zelte an einem lauschigen Plätzchen unweit des Kraters auf. Ohne Gepäck lässt es sich ganz gut wandern, bis zum Kraterrand ist es nicht mehr weit. Auf halbem Weg werden wir von der Schwefelwolke eingehüllt. Das Atmen fällt schwer. Der Krater hat einen Durchmesser von ungefähr 150m und ist mehr als hundert Meter tief, der Blick ist atmeberaubend und eindrücklich. Man hört in der Tiefe das Lava blubbern.
Nach einem richtig guten Lagerfeueressen und Unmengen Marsmallows, die wir über dem Feuer rösten, steigen wir bei Dunkelheit noch einmal hoch. Wir sehen in der Tiefe das Lava glühen. Uns packt die Ehrfurcht vor dem schlafendem Ungetüm. Ein Rumpeln aus dem Innern des Berges lässt uns hochschrecken und wir springen zurück.
Am nächsten Morgen brechen wir zeitig auf. Der Weg zurück ist trotz schnell aufkommender Hitze leichter. Die Rucksäcke sind nicht mehr so schwer und der Weg führt bergab. In San Jacinto essen wir in einem Comedor zu Mittag und warten an der Strasse auf den Bus. Eigentlich ist das Gefährt schon ziemlich voll, doch irgendwie haben wir und alle Wartenden Platz. Der Bus bringt uns zurück nach León.
Im Hostel spülen wir uns den Dreck vom Leibe und hängen uns an den Pool. Wie gut tut die Abkühlung und wir schwelgen noch etwas in unseren Erlebnissen.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Hallo Brige und Reto
Ich lese eure Beiträge sehr gerne - und es gibt da manchmal mehr Action als uns lieb wäre...
Der Vulkanbericht spricht mich aber ganz gewaltig an, ist ganz nach meinem Gusto: spezielle Landschaften, Höhen erklimmen, Naturphänomene, etwas mulmiges Gefühl im Bauch. Wow!
Für mich hat nach den schönen Tennisferien in der Türkei und dem Tauchen am roten Meer der Schulalltag wieder begonnen. Ich geniesse jedoch jede Minute an der Sonne, fahre immer wieder mit dem Velo nach Aarau und halte mich so fit als möglich. Und das ist gut so, denn ohne hätte ich am Auffahrtswochenende sicherlich schlapp gemacht. Während Daniel mit den Studierenden der ETH in Südspanien auf Studienreise weilte, erklomm ich mit fünf Kumpels des Zürcher Skitourenclubs den Gipfel des Mont Blanc! Wir starteten am Auffahrts-Donnerstag mit Hüttenaufstiegen, technischem Training und stetiger Akklimatisation. Am frühen Sonntagmittag standen wir dann sage und schreibe auf 4810 m ü. M., nachdem wir um 2 Uhr in der früh mit unseren Stirnlampen und der ganzen Hochtourenausrüstung los gelaufen waren. Die Bedingen waren optimal und ich bin mega happy wieder zu Hause angekommen.
Gruss vom Top of Europe,
Valérie