Dienstag, 20. Mai 2008

Auf dem Dach Mittelamerikas

Die Tage in Xela standen ganz im Zeichen der Besteigung des höchsten Berges von Mittelamerika. Nach den super Erfahrungen in Leon wählten wir wieder Quetzaltrecker als Organisation aus. Doch diesmal lief leider nicht alles so gut wie vor 2 Wochen.
Um 4:45 ist Treffpunkt. 22 (!) Touristen und 4 Führer werden mit einem Pickup an den Busbahnhof gefahren. Mit einem Chickenbus fahren wir ca 2 Stunden. Wie immer füllt sich dieser soweit, bis sich am Schluss 3 Personen auf einem 2-er Sitz befinden und im Gang jeder Zentimeter ausgenutzt ist. Später beginnt auf 3000 m die Besteigung. Als erfahrene Wanderer gehen wir ein gemütliches Tempo an und befinden uns sogleich abgeschlagen am Schluss des Feldes. Doch nach und nach holen wir einige schnaufende Touris ein, welche später über Kopfschmerzen klagen. Ginge mir auch so, wenn ich mich auf dieser Höhe am Limit bewegen würde. Nach einem Teller Pasta übernachten wir auf 4000 m. Am Morgen um 3:15 werden wir geweckt, so dass wir rechtzeitig zum Sonnenaufgang auf dem Gipfel stehen. Es ist arschkalt (sorry für den Ausdruck), doch die Farben am Himmel sind wunderbar. Das Erlebnis wäre noch schöner, wenn man alleine und nicht mit so vielen Amis ("Oh my God!") die Minuten geniessen könnte. Nicht ganz zufrieden mit der Organisation und sehr müde kehren wir am Abend nach Xela zurück.
Am Montag wartet um 7:30 schon der Shuttlebus Richtung Cobán. Nach 9 spannenden Stunden durch das Hochland treffen wir in Coban ein. Von hier aus möchten wir für 2 Wochen im Nebelwald einen Arbeitseinsatz leisten. Wenn man also länger nichts mehr von uns hören sollte, keine Sorge: Wir kommen wieder, keine Frage!

Donnerstag, 15. Mai 2008

Lago de Atitlan

In Antigua haben wir bereits unseren 3 Vulkan auf unserer Reise bestiegen. Mit einem klapprigen Shuttlebus sind wir an den den Fuss des Pacayas gefahren. Kaum ausgestiegen umringen uns Kinder mit Wanderstöcken, welche sie uns für knapp 1 Fr. verkaufen möchten. Als wir uns in unserer Reisegruppe umschauen, können wir mit gutem Gewissen auf eine Gehhilfe verzichten. Wir sehen eindrückliche Bilder und können Lava aus nächster Nähe betrachten und ihre Hitze spühren. Über die grossen abgekühlten Lavafelder zeigt sich dann, wer Gebirgserfahrung besitzt. Einige Personen kommen psychisch und physisch an die Grenzen.
Unser nächstes Ziel ist dann Panajachel (kurz Pana). Wir entscheiden uns für einen Shuttlebus, der uns direkt dorthin bringt. Allerdings müssen wir feststellen, dass es auf der hintersten Bank rüttelt und schüttelt. Pana liegt am Atitlansee, einem der schönsten der Welt. Die Gegend ist malerisch und die Leute in den Dörfern tragen mit Stolz ihre Trachten. Wir finden in Santa Cruz ein ruhiges und ökologisches Hotel, das von einem östereichischen Paar geführt wird. Während dem gemeinsamen Nachtessen am ersten Abend erfahren wir, dass eine junge Reisende auf einer Wanderung um den See überfallen wurde. Nach ein paar mal leer Schlucken und zusätzlichen Infos von Seite der Hotelbetreiber machen wir trotzdem an jedem Tag einen kleinen Spaziergang. Viele spannende Begegnungen und schöne Bilder sind der Dank für unseren Mut.
Unser nächstes Ziel nehmen wir dann wieder mit ÖV in Angriff. Die Idee war: mit dem Schiff nach Pana und ein direkter Bus nach Quetzaltenango (Xela). Und die Wirklichkeit? Die Schiffsreise um 9 Uhr ist noch kein Problem. Viel günstiger als bei der Hinreise kommen wir direkt nach Pana. Dort hören wir das erste Mal, dass der direkte Bus erst um 1 Uhr fahren wird. Wir glauben unseren eigenen Infos und fahren mit einem Dreiradtaxi an die Busstation. Es warten da doch auch noch andere Touristen. Nach einer Stunde fragt sich Brigitte durch. Wir sollen einen Bus an die Panaamericana nehmen und dort umsteigen. Nach 3 maligem Umsteigen und 3 Stunden später als geplant, kommen wir doch noch in Xela an. Das Busfahren ist immer wieder ein Abenteuer.

Freitag, 9. Mai 2008

¡Que les vaya bien!

Die Bus- und Taxifahrer riefen just an jenem Tag, wo wir weiterreisen wollten einen nationalen Streik, mit dem Ziel, dass die Regierung die Benzinpreise senkt, aus. Da der erste Tag trotz Verhandlungen am runden Tisch keine Ergebnisse brachte, dauerte der Streik an. Kein öffentlicher Bus, kein Taxi fuhr. Dafür hatten die Pferdekutschen und Velotaxis Hochkonjunktur! Wir buchten unsere Weiterfahrt in einem privaten, örtlichen Busunternehmen, das die Leute in den üblichen alten, amerikanischen Schulbussen nach San Salvador und weiter bis nach Guatemala City transportiert.
Der Bus hätte auf dem Weg von León nach Chinandega mehrere Strassensperren passieren müssen. Ein Ding der Unmöglichkeit! Der gut gefüllte Chickenbus nahm kurzerhand, die "Umleitung" über die Felder. Innerhalb Minuten war alles in Staub gehüllt und wir mit einer dicken Schicht überzogen. Dazu mischte sich der Schweiss und die am Morgen aufgetragene Sonnencreme. Das ganze entwickelte sich zu einer braunen, klebrigen Masse... wäääki. Mit Hilfe von Kindern und Bauern, die mit ihren Fahrrädern oder Pferden im Niemandsland unterwegs waren, fand der Bus schlussendlich wieder zurück auf die Strasse. Bis nach Chinandega passierten wir unter lauten Buhrufen der Streikenden noch ein paar weitere Sperren. Nachher wurde es ruhiger und der Bus konnte endlich zufahren. Um halb 4 passierten wir die Grenze zu Honduras, mehr als 2h später als geplant. Honduras liessen wir links liegen. Die Durchfahrt dauerte etwas mehr als 2h. 2mal wurden wir von der Polizei kontrolliert. Der Bus wurde angehalten, das Gepäck abgeladen, mehr schlecht als recht kontrolliert. Die Passagiere reihten sich automatisch in 2 Reihen ein, die Frauen links, die Männer rechts. Ein kurzer Blick auf jeden Pass und weiter gings. Es war bereits Mitten in der Nacht als wir in San Salvador irgendwo auf der Interamericana abgeladen wurden. Der Fahrer verhalf uns dann doch freundlicherweise noch zu einem Taxi. Eigentlich wollten wir doch nicht mehr in der Nacht reisen!
San Salvador ist eine riesige Metropole, alles in allem mit rund 2 Millionen Einwohner. Im Stadtzentrum reihen sich auf dem Trottoir unglaublich viele Stände aneinander.
Die Arbeitslosenrate ist hoch und die Menschen versuchen sich über Wasser zu halten, in dem sie irgendetwas verkaufen. Die Waren werden lauthals angeboten, aus Lautsprechern tönt Musik. Es ist ein unglaublich lebendiges, aber auch farbiges Durcheinander. Dazwischen findet man ganz schöne, alte Kolonialhäuser, die die Narben der Zeit tragen.
Obwohl El Salvador einiges zu bieten hat, fahren wir am nächsten Tag weiter nach Guatemala. Diesmal gönnen wir uns einen klimatisierten Bus und die Reise ist gemütlich und ruhig. Wir ziehen am gleichen Tag weiter nach Antigua unweit von Guatemala City. Die Stadt war einst die Hauptstadt der spanischen Kolonien in Zentralamerika, heute ist sie eine der touristischen Hauptattraktion des Landes und verfügt somit über zahlreiche Hotels, Restaurants und Geschäfte. Die Leute sind freundlich und hilfsbereit, wollen wissen woher wir kommen und wohin wir gehen, wünschen uns zum Abschluss buen viaje. Wir sind wieder amigos von allen. Wir geniessen es.

Montag, 5. Mai 2008

Ein schlafendes Ungetuem

Bei einem unserer Streifzüge durch León stiessen wir auf das Büro der Quetzaltrekkers. Die Organisation bietet verschiedene Touren auf die umliegenden Vulkane an. Der volle Erlös kommt einem Hilfsprojekt für Strassenkinder zu gute. Ihr Slogan dem zu Folge, hike volcanoes, help streetkids! Also reisen und helfen! Nichts wie los! und da wir sowieso auf Grund der Hitze in den Hängematten nahe am Verfaulen waren, meldeten wir uns fuer einen 2 Tages Hike auf den in der Nähe liegenden und 2000 letzmals ausgebrochenen Vulkan Telica.
Bereits nach wenigen Metern führt der Weg an blubbernden Schlammlöcher und Dampffontaenen vorbei. Ein erster kleiner Vorgeschmack. Wir wandern über trockene, abgeerntete Bohnenfelder, wirbeln Staub auf und sind in Kuerze so schmutzig, wie Schweine die sich darin gewälzt haben. Später führt der Weg hinauf in bewaldete Hänge. Wir rasten im Schatten grosser Bäume. Auf einer Anhöhe haben wir einen ersten Blick auf den rauchenden Hauptkrater. Wir steigen in den erloschenen Nebenkrater und stellen unsere Zelte an einem lauschigen Plätzchen unweit des Kraters auf. Ohne Gepäck lässt es sich ganz gut wandern, bis zum Kraterrand ist es nicht mehr weit. Auf halbem Weg werden wir von der Schwefelwolke eingehüllt. Das Atmen fällt schwer. Der Krater hat einen Durchmesser von ungefähr 150m und ist mehr als hundert Meter tief, der Blick ist atmeberaubend und eindrücklich. Man hört in der Tiefe das Lava blubbern.
Nach einem richtig guten Lagerfeueressen und Unmengen Marsmallows, die wir über dem Feuer rösten, steigen wir bei Dunkelheit noch einmal hoch. Wir sehen in der Tiefe das Lava glühen. Uns packt die Ehrfurcht vor dem schlafendem Ungetüm. Ein Rumpeln aus dem Innern des Berges lässt uns hochschrecken und wir springen zurück.
Am nächsten Morgen brechen wir zeitig auf. Der Weg zurück ist trotz schnell aufkommender Hitze leichter. Die Rucksäcke sind nicht mehr so schwer und der Weg führt bergab. In San Jacinto essen wir in einem Comedor zu Mittag und warten an der Strasse auf den Bus. Eigentlich ist das Gefährt schon ziemlich voll, doch irgendwie haben wir und alle Wartenden Platz. Der Bus bringt uns zurück nach León.
Im Hostel spülen wir uns den Dreck vom Leibe und hängen uns an den Pool. Wie gut tut die Abkühlung und wir schwelgen noch etwas in unseren Erlebnissen.

Freitag, 2. Mai 2008

¡La vida es una ola!

Nach 8 Tagen Inselparadies flogen wir zurück nach Managua, zurück in den Lärm und in die Hektik einer Grossstadt. Am Abend trafen wir uns noch einmal mit Andi, tauschen aus, essen zusammen Carne Asado und gehen auf ein Bier. Im Taxi zurück ins Hotel werden wir überfallen und ausgeraubt. Der Taxichauffeur lädt zusätzlich 2 Fahrgäste auf, die nach einer Weile das Messer zücken, Geld, Karten und Telefon fordern. Wir geben was wir haben. Sie fragen nach dem PIN von Retos Karte, dirigieren das Taxi an den Bancomat und heben Geld ab. Nach einer Irrfahrt lassen sie uns in einem dunklen Quartier springen. An der nächsten grösseren Strasse fangen uns 2 Männer auf. Der eine ist Feuerwehrmann und bringt uns mit seinem Dienstauto zurück in unser Hotel. Erst jetzt merken wir, wie aufgewühlt wir sind. Der Schrecken sitzt uns in den Knochen.
Am nächsten Morgen erstatteten wir Anzeige bei der Polizei. Es wurde einen Wartemarathon. Eigentlich bräuchten wir ja nur eine Kopie der Anzeige für unsere Versicherung zu Hause.
Noch am Nachmittag kehrten wir der Stadt den Rücken und fuhren mit einem Minibus Richtung León. Nur weg von hier! Der Fahrer raste über die Landstrasse, vorbei an steppenähnlichen, ausgetrockneten Feldern. In León liessen wir uns von einem Taxi die 20km nach Las Peñitas chauffieren. Das Hostel liegt direkt am Strand und wir hatten einen herrlichen Ausblick auf die riesigen Wellen. Der Strand war weitläufig und fast menschenleer. Wir sammelten uns wieder und beschlossen, unsere Pläne nicht zu ändern und wie geplant weiterzureisen.
Nach 2 Tagen am Pazifik fuhren wir zurück nach León. Die Stadt steht traditionell für das liberale Element des Landes und war ein Zentrum der Revolutionskämpfe 1978/79 und Wohnsitz des berühmten Dichters Rubén Darío. Die um 1860 nach über 100-jähriger Bauzeit fertiggestellte Kathedrale León Basilica de la Asunción gilt als die größte und älteste Mittelamerikas. Weitere Sehenswürdigkeiten sind zahlreiche historische Bauten aus der Kolonialzeit. Wir bekommen wieder Lust am Reisen! Auch dank dem feinen Hostel, das uns von Frank und Seraina empfohlen wurde! Herzlichen Dank für den Tipp.