Donnerstag, 10. Juli 2008

Ferrocaril Chihuahua al Pacifico

Die Fahrt mit der Ferrocaril Chihuahua al Pacifico, kurz Chepe, gilt als eine der spektakulärsten Bahnstrecken der Welt. Von der Pazifikküste führt sie durch die Berge der Sierra Tarahumara bis nach Chihuahua. Entlang der 655km langen Eisenbahnlinie gibt es 36 Brücken und 87 Tunnels.
Wir sind in Los Mochis bei weitem nicht die einzigen, die mit dem Chepe fahren wollen. Mexikanische Familien mit Gepäck und Kühlkisten voller Essen, Cowboys in Jeans und Stiefeln oder Tarahumarafrauen in farbigen Röcken und Blusen warten auf den Zug. Wir sind froh, dass wir das Billet bereits am Abend zuvor gekauft haben und so der langen Schlange am Ticketschalter entkommen. Kurz nach 7 Uhr, 1 Stunde nach dem 1. Klasszug nimmt auch die 2. Klasse die Fahrt auf. Zu Beginn fährt er durch flaches Farmland, erst nach EL Fuerte beginnt er zu steigen, fährt an wild zerklüfteten Felsen vorbei und kriecht bis auf 2338m. Im Vorraum der Waggons sind die Fenster offen und man kann die vorbeiziehende Landschaft ohne Hindernisse geniessen. Es ist schön, sich die frische Luft übers Gesicht ziehen zu lassen. Nach 10 Stunden steigen wir in Posada Barranca aus. Hier wollen wir die Barranca del Cobre erkunden. Das Dorf besteht nur aus ein paar dutzend Häuser, einem Dorfladen und einigen Gasthäusern. Wir finden eine einfache, dafür bezahlbare Unterkunft. Am nächsten Morgen steigen wir bis zu einer kleinen Ebene in die Schlucht hinab. Wir haben einen wunderbaren Überblick über weite Teile der Barranca del Cobre und bis hinunter zum Río Urique. Sechs verschieden Flüsse haben unterschiedliche Cañons in die Landschaft geschliffen, der Tiefste fällt ganze 1879 Meter! Wir staunen.
In Divisadero kann man von der Bahnlinie aus einen Blick in die eigentliche Schlucht werfen. Hier stoppt der Zug ganze 15 Minuten. Kein Wunder wimmelt es hier nur so von Souvenirverkäufer und Esssensständen. Auf improvisierten Öfen aus Ölfässern werden Tacos, Quesadillas und gefüllte Chilis gebraten. Wir wollen uns etwas mehr Zeit nehmen und wandern am Rand der Schlucht von Posada nach Divisadero.
Nach 2 Nächten in Posada fahren wir weiter nach Creel, einer kleinen Stadt mit allen Annehmlichkeiten direkt an der Bahnlinie. Von hier aus lässt sich der Rest der Barranca del Cobre einfach erkunden. Wir fahren zum nahen Lago Arareko, zur Cascade Cusárare und durchs Valle de los Hongos y de las Ranas. Dabei treffen wir immer wieder auf die einfachsten Unterkünfte der Tarahumaras. Einige Familien leben immer noch in Höhlenwohnungen, ohne Komfort und Errungeschaften der Neuzeit.
Für die Weiterfahrt nach Chihuahua entschliessen wir uns, den Bus zu nehmen, da er etwa halb so teuer und dafür doppelt so schnell ist wie der Zug. Er bringt uns in gut 5 Stunden in die Provinzhauptstadt.