Noch in Cobán hatten wir die Möglichkeit eine Kaffeefinca zu besuchen. Max haben wir bei Markus und Vera getroffen, er lud uns spontan ein, seinen Betrieb zu besichtigen. Während eines Tages erhielten wir einen wunderbaren Einblick in die Arbeit auf der 300ha grossen Farm. Auf gut 200ha wird Kaffee angebaut und in Handarbeit gepflegt, gehegt und geernetet. Die Kaffebohnen werden noch vor Ort sortiert, gewaschen und getrocknet und danach in Saecken an die Roestereien geliefert. Obwohl die Ernte vorbei war, konnten wir uns sehr gut vorstellen, welche Knochenarbeit das Ablesen und die Verarbeitung der Bohnen bedeutet. Da der Kaffeepreis sehr tief ist, lohnt sich er Anbau kaum mehr und die kleineren Fincas verschulden sich oft. Max stellt deshalb nebenbei auf Holzwirtschaft um, pflanzt zwischen die Kaffeesträucher Nutzholz und laesst wenig ertragbringende Flächen verwalden. Kauft fairen und ökologischen Kaffee!
Bereits zu Hause haben wir eine Auszeit vom Rucksackleben geplant. Mit dem Ziel etwas Hand anzulegen, irgendwo mitzuhelfen und so wieder etwas Ruhe zu finden, sind wir nach Chelemhá gefahren, ein privates Naturreservat in den Nebelwälder des Alta Verapaz. Markus und Armin haben vor 10 Jahren dieses Stück Urwald gekauft, pflegen und hegen es und haben in jahrerlanger Arbeit eine wunderschöne Lodge für Vogel- und Naturliebhaber gebaut. Die Anfahrt ist etwas schwierig, führt über Stock und Stein, dafür wird man mit einer herrlichen Landschaft, Tier- und Pflanzenwelt belohnt. Wir waren beeindruckt von den einfachen Lebensbedingungen der einheimischen Indianer. Die Familien leben in einfachen Hütten, die Wände aus Brettern, das Dach aus Gras. Strom und Telefon gibt es nicht, einzig Wasser gibt es in Hülle und Fülle. Wir dagegen hausten luxuriös in der Lodge, wärmten uns am Feuer, freuten uns über die vielen Kolibris und genossen die Momente im Kerzenlicht. Tagsüber bepflanzten wir Baumstrünke mit wilden Orchideen und Bromelien, setzten rund um die Lodge nektarreiche Blumen. Verpflegt wurden wir reichlich mit guatemalischer Kost bei Armin zu Hause, sassen dabei alle zusammen rund um den Ofen in seiner kleinen Küche. Armin wohnt mit seiner indigenen Frau Elvira und Tochter Alicia in einem traditionellen Haus unweit der Lodge.
Es blieb genügend Zeit für Streifzüge durch den Nebelwald. Dabei staunten wir über die Vielfältigkeit der Natur. Auf einem unserem Spaziergänge sahen wir sogar einen Quetzal aus nächster Nähe. Der Vogel lebt in den abgelegenen Nebelwäldern Guatemalas und gilt als Symbol des Landes. Als Symbol ist er überall anzutreffen, auf Geldscheinen, Münzen, Firmenschildern und auf dem Wappen Guatemalas. Gegen Ende unseres Aufenthaltes kämpften wir nicht nur gegen Krankheit und Insektenstiche, sondern auch gegen Regen, Wind und Sturm. Der Tropensturm Arthur brachte in ganz Guatemala viel Niederschlag und Überschwemmungen mit sich. Nach 11 Nächten in dieser Idylle zieht es uns wieder weiter. Da auf der Polochicroute eine Brücke weggeschwemmt wurde, kehren wir nach Cobán zurück und organisieren für den nächsten Tag unsere Weiterreise nach Flores.
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